E-Learning Datenschutz
14. April 2021

Update Datenschutz: Facebook und Apple im Streit um unsere Daten


Inhalt:


Das neueste iOS-Update soll das Tracking von Daten weiter erschweren. User sollen zukünftig ausdrücklich zustimmen müssen, bevor ihre Daten mithilfe von Apps gesammelt und verarbeitet werden dürfen. Dies betrifft auch den Zugriff auf die Geräte-ID und die von Apple erstellte IDFA. Die IDFA ermöglicht Werbetreibenden die Verfolgung von Benutzerdaten für die Erstellung maßgeschneiderter Werbung.

Facebook bezeichnet dies als wettbewerbsfeindliches Verhalten und wirft Apple vor seine eigene Werbeplattform nicht an die neuen Regeln anzupassen. Facebook unterstellt Apple außerdem, durch die IDFA-Änderungen, den Druck auf Unternehmen zu erhöhen. So dass jene zukünftig ihre Einnahmen durch Abonnements oder In-App-Zahlungen generieren müssen. Anbieter von kostenlosen Apps wären dadurch gezwungen Gebühren zu verlangen.

Facebook platzierte im Zeichen seines Unmuts unter anderem in der New York Times und in der Washington Post ganzseitige Anzeigen. Facebook selbst stellt sich dabei als Verteidiger des freien Internets und kleiner Unternehmen dar, die besonders von den neuen Funktionen betroffen wären.

Laut ehemaliger Facebook-Mitarbeitenden nutzen kleine Unternehmen jedoch eher selten IDFA-Daten für ihre Anzeigen. Für ihre Zwecke genüge häufig die Auswertung demographischer Daten, wie die Adresse oder das Alter der Nutzenden. Die ehemaligen Mitarbeitenden vermuten daher hinter der Anzeigenschaltung von Facebook lediglich Kalkül, um den Ruf des Konzerns zu verbessern. Denn es würde vor allem Facebook sein, welches durch das neue iOS-Update mit einem starken Einbruch der Werbeeinnahmen rechnen müsse.

Quelle: wdr.de

Facebook Datenschutz Kritik

Facebook steht seit Jahren immer wieder aus datenschutzrechtlichen Gründen in der Kritik. Sei es aufgrund der Cambridge Analytica Skandale 2018 oder der jüngsten Schlagzeilen in Bezug auf das Tochterunternehmen WhatsApp

Fakt ist, dass Facebook eine der größten Datenkraken darstellt: die App sammelt sowohl die persönlichen Daten von Facebook-Mitgliedern als auch von Nicht-Mitgliedern. Facebook sammelt sie auf Webseiten, Sozialen Netzwerken und Endgeräten. Facebook trackt unter anderem die Kommunikation, die Aktivität und Standortaktualisierungen. So können Profile erstellt werden, bei denen sogar die politische Einstellung oder sexuelle Orientierung eines Nutzenden hinterlegt wird.

Wie sicher ist Facebook wirklich?

Wie sicher ist Facebook wirklich?

Zukünftig werden Nutzende vor dem Einloggen in der Facebook-App gefragt werden, ob sie einer Nachverfolgung zustimmen. Eine zunehmende Verweigerung der Nachverfolgung erschwert jedoch die Entwicklung zielgenauer Werbung – ein wichtiger Bestandteil des Facebook-Geschäftsmodells.

Auch das von Facebook angebotene View-Through-Conversion-Tracking ist davon betroffen. Es zeigt Werbeunternehmen die Effizienz ihrer Facebook-Kampagnen. Dies geschieht durch einen Abgleich zwischen der IDFA von getätigten Käufen und den auf Facebook gesehenen Werbeanzeigen. Apples Neuerungen für mehr Transparenz könnten auch dieses Geschäftsmodell zunichte machen.

Was passiert mit den Daten bei Facebook?

Facebook setzt die gesammelten Daten zu Analysezwecken und zur Zusammenstellung von Profilen und ganzen Tagesabläufen von Einzelpersonen ein. Die Web-Nutzung inklusive Uhrzeit und Verweildauer, kombiniert mit den Ortungsdaten des Smartphones, können den gesamten Tagesablauf einer Person abbilden. 

Die Profile selbst ergeben sich aus allen gesammelten personenbezogenen Daten sowie Interessen und Verhaltensmustern. Es ist dabei ein leichtes, neben dem Namen und der Adresse einer Person, Vorlieben, Freundschaften und Interessen aus den besuchten Webseiten abzuleiten. Auf diese Weise gelingt Facebook, mittels der Verknüpfung der erstellten Profile und weiterer im Netz gesammelter Daten, die exakte Identifizierung eines Nutzers.

Wie lange darf Facebook Daten speichern?

Wie lange darf Facebook Daten speichern?

Laut Facebook werden nach der Auflösung eines Facebook-Kontos auch alle dazugehörigen Daten gelöscht. Dies betrifft jedoch nicht die von dem Account aus verschickten Nachrichten oder Kommentare. Andere Nutzer können diese nach wie vor sehen.

Des Weiteren kann jeder Nutzende festlegen, ob sein Konto nach dem eigenen Tod gelöscht werden soll. Auch Eltern ist es seit einiger Zeit möglich die Verwaltung des Profils ihres verstorbenen Kindes zu beantragen. Im Sommer 2020 sprach der Bundesgerichtshof den Eltern eines verstorbenen Mädchens das Recht zu von Facebook den Zugriff auf das Konto der verstorbenen Person zu bekommen. Es war das Ergebnis eines mehrjährigen Rechtsstreits nach dem Tod eines 15-jährigen Mädchens in 2012.

Kann man sich anonym bei Facebook anmelden?

Es ist durchaus möglich sich nicht mit seinem echten Namen bei Facebook anzumelden. Generell möchte Facebook für die Anmeldung den Namen, die E-Mail-Adresse, das Geschlecht und das Geburtsdatum des neuen Nutzenden wissen. Dabei werden zu häufig benutzte Anmeldedaten von Facebook von vorneherein nicht akzeptiert. Dies können z.B. populäre Schauspieler, Sänger oder Namen aus Filmen und Büchern sein.

Es ist daher ratsam weder einen bekannten noch ungewöhnlichen Namen für ein anonymes Profil auszuwählen. Ansonsten wird Facebook mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Bestätigung der Identität bestehen.

Auch Wegwerf-E-Mail-Adressen werden schnell von Facebook erkannt. Hier sollte deshalb eine separate E-Mail bei einem gängigen Anbieter eingerichtet werden.

Bei der Eingabe des Geburtsdatums muss Ihnen außerdem bewusst sein, dass der Facebook-Algorithmus in starker Abhängigkeit zu den jeweiligen Altersklassen funktioniert. Für jüngere Nutzende werden andere Werbeanzeigen und Nachrichten ausgespielt als für ältere.

Des Weiteren wird ein anonymes Profil nur selten von Freunden oder Familienangehörigen gefunden. Die Verknüpfung mit anderen Kontakten basiert deshalb auf reiner Eigeninitiative. In jedem Fall können aber wie gewöhnlich Gruppen genutzt und Beiträge kommentiert werden. 

Es ist also durchaus möglich ein anonymes Facebook-Profil aufzubauen. Facebook, als unermüdliche Datenkrake, sammelt dann zwar trotzdem Daten, aber eben nicht die echten. 

Quellen:

CNBC (2021). Former Facebook insider explain why the company is making such a big fuss over Apple’s upcoming privacy change. Verfügbar auf https://www.cnbc.com/2021/03/11/why-facebook-is-so-upset-about-apple-idfa-change-insiders-spill.html

Fuchs, A. (2021). What happens to your social media account when you die? The first German judgements on digital legacy. ERA Forum. Journal of the Academy of European Law. 

Tagesschau (2021). Das Update, das Facebook nicht gefällt. Verfügbar auf https://www.tagesschau.de/wirtschaft/technologie/facebook-apple-datenschutz-101.html

Verbraucherzentrale (2021). So löschen Sie Ihr Profil bei Facebook. Verfügbar auf https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/digitale-welt/soziale-netzwerke/so-loeschen-sie-ihr-profil-bei-facebook-24724

WDR (2021). Apple kämpft gegen Tracking – und macht Datenschutz zum Luxusgut. Verfügbar auf https://blog.wdr.de/digitalistan/apple-kaempft-gegen-tracking-und-macht-datenschutz-zum-luxusgut/

ZDF (2021). Prozess um Milliardengeschäft. Was macht Facebook mit unseren Daten? Verfügbar auf https://www.zdf.de/nachrichten/heute/was-macht-facebook-mit-unseren-daten-100.html

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